ISDN-Abschaltung 2022: Leitfaden für Unternehmen - Aircall Blog

ISDN-Abschaltung 2022: Leitfaden für deutsche Unternehmen

ISDN Abschaltung
von
Victoria Guetter

Mit der endgültigen ISDN Abschaltung findet 2022 ein wichtiges Kapitel der Telekommunikation in Deutschland sein wohlverdientes Ende.

Für Unternehmen bedeutet das, sofern noch nicht geschehen, eine Umstellung ihrer Telefonanlagen vom klassischen ISDN-Anschluss auf die moderne IP-Technologie.  

Doch was genau bedeutet dieser Umstieg für die Business-Telefonie und welche Chancen bringt er mit sich? Das und mehr erfahren Sie in unserem Leitfaden zur ISDN-Abschaltung 2022.

Wann findet die ISDN-Abschaltung statt?

Schon seit Längerem steht für die Netzbetreiber Deutschlands fest, dass eine Vereinheitlichung der Infrastruktur auf die IP-Übertragungstechnik erforderlich ist. Das bedeutet im gleichen Atemzug eine Abschaltung des ISDN-Netzes.  

Gemäß der Bundesnetzagentur wurde für diesen Schritt allerdings nie ein allgemein verbindliches Datum festgelegt. Die Telekommunikationsdienstleister sollten selbst entscheiden, bis zu welchem Zeitpunkt sie ihren Kunden die Nutzung von ISDN-Anschlüssen ermöglichen wollten. 

So kam es, dass bis heute kein exaktes Datum für die Abschaltung des ISDN-Netzes existiert. Die Deutsche Telekom kündigte beispielsweise bereits im Jahr 2014 das Vorhaben an, bis 2018 alle Anschlüsse auf All-IP umzustellen. Der recht zeitintensive Wechsel zog sich jedoch für Privatkunden teilweise bis 2019, für Geschäftskunden sogar bis 2020.

Andere Anbieter, darunter Vodafone, haben ihren Kunden eine längere Frist für den Wechsel kommuniziert. Nun soll aber spätestens im Jahr 2022 das ISDN-Netz endgültig abgeschalten werden.

Gemeinsam revolutionieren wir die Zukunft der Business-Telefonie

Das heißt in anderen Worten, für Privat- und Geschäftskunden werden ab diesem Moment einzig IP-basierte Anschlüsse über das Breitbandnetz verfügbar sein.

Was ist das ISDN-Netz eigentlich und worin besteht der Unterschied zur analogen Telefonie?

Stellt man sich die Evolution der Telefonie in Deutschland auf einem Zeitstrahl vor, so ist die ISDN-Technologie die nächsthöhere Stufe nach dem analogen Telefonieren.

Die analoge Telefonanlage – der altbewährte Klassiker 

Haben Sie noch miterlebt, als nur eine Person aus dem Haushalt über den Festnetzanschluss telefonieren konnte und alle anderen warten mussten? Jene Zeiten, als man sich zwischen dem Surfen im Internet und einer freien Telefonleitung entscheiden musste?

Dann kennen Sie das typischste Merkmal einer analogen Telefonanlage bereits: sie hat nur einen Kanal und kann entsprechend nur ein Signal übertragen. 

In der Praxis bedeutete das: 

  • In der klassischen Variante des analogen Telefonierens waren somit simultane Gespräche, Telefonkonferenzen oder gar das gleichzeitige Surfen und Telefonieren nicht möglich. 
  • Zwar konnten Nebenstellen eingerichtet werden, diese wurden jedoch allesamt der gleichen Rufnummer zugeordnet. 
  • Funktionen wie das Weiterleiten von Gesprächen oder die Einrichtung einer Warteschleife waren möglich, aber stark begrenzt.  

Zwar konnten hochwertige analoge Telefonanlagen basierend auf mehreren Anschlüssen vor allem für Unternehmen gute Dienste leisten. Aber nicht zuletzt wurde mit der Einführung des Internets immer deutlicher, dass die analoge Telefonie ihre Leistungsgrenze erreicht hatte. Es brauchte mehr. Und dieses Mehr hatte vier Buchstaben. 

Der ISDN-Anschluss – der digitale Bahnbrecher 

Mit der Einführung von ISDN-Anschlüssen in den 80er Jahren wurde ein völlig neues Niveau des Telefonierens erreicht. 

Der Grund hierfür ist so simpel, wie er vor Jahrzehnten revolutionär war: ISDN ist ein digitaler Telekommunikationsstandard. Anders als bei analogen Festnetzanschlüssen stehen Anwendern hier, je nach Anschluss, zwei oder sogar mehr Kanäle zur Verfügung, über die Sprache und Daten simultan übermittelt werden können.

Der Wunschgedanke, während eines laufenden Anrufs im Internet surfen zu können oder ein Fax zu versenden, wurde mit den beiden Kanälen des ISDN-Basisanschlusses Realität.

Auch Unternehmen profitierten von der ISDN-Technologie umfassend. Nicht nur, weil die digital übermittelten Gespräche mit geringem Rauschen und Verlusten eine höhere Sprachqualität aufwiesen, als analoges Telefonieren.

Es konnten zudem bei einem Mehrgeräteanschluss bis zu zehn Rufnummern vergeben werden, was die Nutzung verschiedener Durchwahlen innerhalb einer Firma ermöglichte. Hinzu kamen neue Funktionen wie die Anrufweiterleitung sowie die Rufnummernanzeige oder -unterdrückung.

Warum wird das ISDN-Netz abgeschaltet?

Nun, fast 30 Jahre später steht das Ende der ISDN-Ära bevor. Die großen Telekommunikationsanbieter haben die Abschaltung des Übertragungsnetzes schon vor einigen Jahren angekündigt und zuletzt sukzessive umgesetzt. 

Aber warum wollen die Betreiber des ISDN-Netzes nicht länger an der Technologie festhalten? Die Antwort lautet schlicht und einfach: Fortschritt. 

ISDN-Anschlüsse sind nicht mehr die bestmögliche Option für das private und geschäftliche Telefonieren. Mittlerweile existieren neue, wesentlich effizientere Technologien, um Sprache und Daten zu übertragen. 

Diese Entwicklung war folgenreich für die Nachfrage an ISDN-Telefonanlagen. Während im Jahr 2006 noch 12,69 Millionen ISDN-Basisanschlüsse in Deutschland genutzt wurden, sank die Zahl nur 10 Jahre später auf nur noch 4,7 Millionen. 

Ein weiterer Effekt des technologischen Wandels war, dass es zuletzt für die Netzbetreiber immer schwieriger und kostenintensiver wurde, geeignete Ersatzteile für die ISDN-Infrastruktur zu finden. Die Anschlüsse galten für viele Hersteller als Auslaufmodell, sodass die Herstellung geeigneter Komponenten immer weiter gedrosselt wurde. 

Die Gründe für die ISDN-Abschaltung

Zusammengefasst gibt es für die Entscheidung der Telekommunikationsprovider, das ISDN-Netz abzuschalten, gleich drei Gründe: 

  • Die Nachfrage nach neueren Technologien mit vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten und Funktionen steigt. 
  • Die Technik, die für den Betrieb des ISDN-Netzes benötigt wird, ist mittlerweile veraltet, unflexibel und dadurch sehr wartungsintensiv. 
  • Es bedarf einen hohen Aufwand an Personal und Energie, um zwei Telekommunikationsnetze gleichzeitig aufrecht zu erhalten. 

So sehr sie uns in den letzten Jahrzehnten auch gedient hat, der Zenit der ISDN-Technologie ist überschritten. Weiter an ihr festzuhalten, wäre nicht nur unwirtschaftlich. Es würde Anwendern die Chance nehmen, in den Genuss neuer Technologien zu kommen, die den Bedürfnissen einer digitalisierten Welt noch besser gerecht werden. 

Die Zukunft nach der Abschaltung des ISDN-Netzes heißt All-IP

Vor allem Unternehmen stehen mit der ISDN-Abschaltung unter Druck, da sie in der Regel auf eine funktionierende Business-Telefonie angewiesen sind und nahtlos erreichbar sein müssen.  

Doch der Umbruch ist kein Grund zur Panik. Denn eine alternative Lösung steht schon in den Startlöchern und bietet Firmen mehr Vorteile, als es ISDN-Anschlüsse bisher konnten: die IP-Telefonie. 

Was heißt All-IP, IP und VoIP und wie lässt sich damit telefonieren?

Als sich bereits vor vielen Jahren ein Ende der Ära ISDN abzeichnete, begannen Deutschlands Telekommunikationsanbieter, ihrem Nachfolger den Weg zu ebnen. Schon seit Längerem findet der Ausbau eines neuen Telekommunikationsnetzes statt – das Next Generation Network (NGN)

Mit diesem werden Dienste wie das Telefonieren, Mobilfunk, Fax und Fernsehen über ein einheitliches System, das Internet-Protokoll (IP), übertragen. Man spricht deshalb auch von All-IP, also „einem Netz für alles”

Die Telekommunikationsprovider in Deutschland offerieren entsprechende Tarife für All-IP-Anschlüsse schon seit einiger Zeit, die Deutsche Telekom beispielsweise seit 2014.  

Mit dem All-IP-Netzwerk als neuer Rahmenbedingung, ist auch die Zukunft der Telefonie IP-basiert. Die internetbasierte Sprachkommunikation nennt sich VoIP, also Voice over IP. Ganz einfach zusammengefasst werden akustische Signale in Form von Datenpaketen über das Internet vom Sender zum Empfänger übertragen.

Diese Vereinheitlichung aller Übertragungstechniken auf ein einziges Netzwerk ist nicht nur für die Telekommunikationsanbieter ein wichtiger und profitabler Schritt in eine digitale Zukunft. Die Umstellung auf All-IP bietet zudem für Privat- und Geschäftskunden zahlreiche Vorteile. Vor allem, was das Telefonieren betrifft. 

Welche Vorteile bietet die All-IP-Technologie für die Business-Telefonie im Vergleich zu ISDN-Anschlüssen?

  • VoIP-Telefonie ist in der Regel sicherer, als es Telefonate über ISDN-Anschlüsse waren. Übertragungen finden innerhalb eines Netzwerkes statt und lassen sich via SRTP oder VPN verschlüsseln, sodass ein Zugriff durch Dritte oder Unterbrechungen äußerst unwahrscheinlich sind. 
  • Die IP-Technologie ist kostengünstig und einfach in der Wartung. Mit der virtuellen Telefonie sagen Sie nicht nur endlosen Kabelsalaten Lebewohl. Sie profitieren außerdem von deutlich günstigeren Anschaffungs- und Unterhaltungskosten für Ihre Telefonanlage. Wenn Sie hierbei auf einen On-Demand-Anbieter für VoIP-Telefonie setzen, sorgt dieser für die Aktualisierung, Wartung und leichte Bedienung Ihrer Telefonie. 
  • Eine virtuelle Telefonanlage bringt zahlreiche nützliche Funktionen und Integrationen mit sich. Im Falle einer Cloud-basierten Anwendung gehören zu den Möglichen Mehrwerten die Einrichtung individueller Sprachmenüs, die Verknüpfung mit Helpdesk- und CRM-Systemen sowie Echtzeit-Callcenter-Statistiken
  • Eine VoIP-Telefonanlage können Sie flexibel und ganz nach Ihren Bedürfnissen anpassen und skalieren. Virtuelle Nummern lassen sich mit wenigen Klicks einrichten und löschen. Je nach geschäftlicher Ausrichtung können Sie hierfür lokale, regionale oder gar internationale Rufnummern wählen. 
  • All-IP bietet für die Telefonie mehr Kanäle und bessere Übertragungsraten. Aufgrund des einheitlichen NGN-Netzes können Bandbreiten von bis zu 100 Mbit/s erreicht werden. Daten werden so viel schneller zwischen Sender und Empfänger übermittelt. Ein angenehmer Nebeneffekt: mit dem gewonnenen Datenvolumen können über einen IP-Anschluss viele Gespräche gleichzeitig geführt werden. Das Limit wird also nicht länger von vorhandenen Kanälen, sondern von den freigeschalteten virtuellen Rufnummern und der Übertragungsrate bestimmt. 

Worauf muss mein Unternehmen bei der Umstellung auf All-IP achten?

Haben Sie Ihre Telefonanlage bereits auf eine IP-basierte Technologie umgestellt? Dann können Sie der bevorstehenden Abschaltung des ISDN-Netzes ganz beruhigt entgegen sehen. Sie wird keinerlei Effekt auf Ihre Business-Telefonie haben. 

Sollten Sie hingegen derzeit noch ISDN-Anschlüsse nutzen, so wird es höchste Zeit für einen Umstieg. Andernfalls ist das Risiko groß, dass Ihre aktuelle Telefonanlage und andere Telekommunikationstechnik schon bald nicht mehr funktioniert. 

Um die richtige Entscheidung für Ihre zukünftige Business-Telefonie zu treffen, sollten Sie folgende Aspekte beachten: 

  • Welche Hardware möchten Sie für das Telefonieren nutzen? – Mit der VoIP-Telefonie lassen sich beispielsweise Anrufe über bereits vorhandene Endgeräte wie Laptops oder Smartphones tätigen und empfangen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, bestehende ISDN-Anlagen um Zusatzgeräte zu erweitern, sodass Sie diese weiterhin für die IP-Telefonie verwenden können. 
  • Welche Infrastruktur wird benötigt? – Um die IP-Technologie für das Telefonieren zu nutzen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Dazu gehört unter anderem ein Breitbandanschluss mit einer Bandbreite von mindestens 64 kBit/s. 
  • Welcher VoIP-Anbieter ist der passende?Provider für die Internettelefonie unterscheiden sich mitunter stark hinsichtlich der angebotenen Telefonanlagen und Servicekomponenten. Wählen Sie den passenden Partner für Ihre Anforderungen, um sicherzustellen, dass sie mit dem Produkt rundum zufrieden sind. 
  • Kann die Umstellung unter Umständen gefördert werden? – Es existieren zahlreiche Förderprogramme zur Digitalisierung, die unter anderem auch Investitionen in Produkte und Systeme abdecken. Auch wenn VoIP-Technologien in der Regel günstiger sind, als die ISDN-Telefonie: prüfen Sie, ob Sie für Ihren Wechsel zu All-IP eine zusätzliche Unterstützung erhalten und so Kosten regulieren können.  

Wie gelingt der Wechsel vom ISDN-Anschluss zur VoIP-Telefonie?

Es gibt im Grunde drei verschiedene Wege, wie Unternehmen die VoIP-Technologie für Ihre Business-Telefonie anwenden können: 

  1. Sie entscheiden sich, die bisher verwendete ISDN-Hardware beizubehalten und für den All-IP-Betrieb umzurüsten.
  2. Sie investieren in eine neue On-Premise IP-Telefonanlage.  
  3. Sie nutzen vorhandene Endgeräte und schließen den Betrieb eines lokalen Telefonsystems aus, indem Sie auf eine Cloud-Telefonanlage setzen.

So können Sie Ihre ISDN-Telefonanlage für VoIP-Telefonie weiterverwenden  

Es besteht die Möglichkeit, analoge bzw. auf ISDN ausgelegte Telefonanlagen zu virtuellen Telefonanlagen umzurüsten. Dies funktioniert mittels spezieller Adapter, mit deren Hilfe Ihre Hardware den SIP-Standard erfüllen kann. 

Die SIP-Technologie ist eine Variante, VoIP-Telefonie durchzuführen. Dabei handelt es sich um ein Netzprotokoll (Session Initiation Protocol) Hierbei dient ein sogenannter SIP-Trunk als eine Art Anschluss, über den Ihre Hardware mit dem IP-Netz verbunden wird. Einzige Voraussetzung für das Gelingen ist, dass Ihre bisherige Telefonanlage VoIP-fähig ist. 

So nutzen Sie VoIP-Telefonie mit Hilfe eines Cloud-basierten Softphones 

Wenn Sie unnötige Kosten vermeiden und wichtige Ressourcen wie die Zeit Ihres Personals schonen wollen, so ist eine Cloud-Lösung ideal. Bei dieser telefonieren Ihre Mitarbeiter über Softphones, also einer Software, die mit wenigen Klicks auf Geräten wie Laptops oder Smartphones installiert werden kann. Solche Cloud-basierten VoIp-Telefonanlagen funktionieren wie physische Telefone, bringen allerdings zusätzlich nützliche Funktionen und Integrationsmöglichkeiten mit sich.  Dazu gehören unter anderem das automatische Zuweisen von Anrufen, das Festlegen von Anrufzeiten, das Echtzeit-Monitoring aller Telefonaktivitäten und Verknüpfungen mit anderen Business-Tools sowie Unified Communications.

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