Digitalisierung von KMUs: eine Bestandsaufnahme - Aircall Blog

Digitalisierung für KMUs in Deutschland: eine Bestandsaufnahme - Teil 1

Deutschlandkarte mit Aircall symbolen
von
Victoria Guetter

Deutschland und die Digitalisierung – eine Kombo, die es von Anfang an nicht leicht hatte. 

Und das nicht erst seit Angela Merkels legendärer Feststellung „Das Internet ist für uns alle Neuland” bei einer Pressekonferenz mit Barack Obama.  

Seit Jahren wird nahezu gebetsmühlenartig in zahlreichen Medien, Experten-Kommentaren und Handlungsempfehlungen betont, wie die Bundesrepublik den Start der digitalen Transformation völlig verpasst habe.  

Dieser „Dornröschenschlaf” wurde Anfang 2020 jäh unterbrochen. Mit den Ereignissen der Corona-Pandemie und den darauf folgenden Einschränkungen kam ein schlagartiges Umdenken. Die Digitalisierung war für die Wirtschaft, Politik und Verwaltung Deutschlands nicht mehr ein Pflichtpunkt auf einer langen To-do-Liste. Sie wurde zur obersten Priorität. 

Zwei Jahre voller Investitionen, Innovationen und Illusionen bietet sich eine erste Bestandsaufnahme an. Dass Digitalisierung nicht „irgendein Projektchen” ist und langfristiger Veränderungen bedarf, zeigte bereits unser Interview mit dem Digitalberater Andreas Diehl

Doch wie steht es um die Digitalisierung deutscher Unternehmen und welche Trends zeichnen sich vor allem für KMUs ab? 

Diesen und vielen weiteren Fragen gehen wir in einer dreiteiligen Blog-Serie nach. 

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Als Auftakt blicken wir in diesem Beitrag auf den Status quo des digitalen Wandels in Deutschland.  

Wo steht Deutschland bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich?

Es existieren zahlreiche Studien und Statistiken rund um das Thema der weltweiten, digitalen Transformation. Die in diesen Erhebungen ermittelten Staaten-Rankings basieren dabei auf unterschiedlichen Kriterien. Mal liegt der Fokus auf dem Einsatz innovativer Technologien, mal auf der Digitalkompetenz von Bevölkerung und Wirtschaft. Auch Aspekte wie die vorhandene Infrastruktur und Sicherheit fließen ein. 

Doch so unterschiedlich der Hintergrund solcher internationaler Betrachtungen auch sein mag – eines bleibt bei den Ergebnissen der Erhebungen gleich: Deutschland ist in puncto Digitalisierung meist im vorderen oder hinteren Mittelfeld anzutreffen. 

  • Laut dem IMD Digital Competitive Index ist Deutschland im Jahr 2021 auf Platz 18 zurückgefallen – im Jahr 2016 lag die Bundesrepublik hier noch auf Platz 12.
  • Bei einer Umfrage unter Unternehmen im März 2022 ordneten die Befragten Deutschland im internationalen Vergleich mit nahezu gleichen Anteilen als Nachzügler (29 %), im Mittelfeld (30 %) und in der Spitzengruppe (30 %) ein.   
  • Im Digital Riser Report 2021 vom Berliner European Center for Digital Competitiveness (ECDC) belegte Deutschland in puncto digitaler Wettbewerbsfähigkeit unter den G7-Staaten den vorletzten Platz. 
  • Beim Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft 2021 (DESI) der Europäischen Kommission liegt Deutschland auf Platz 11. Die nordeuropäischen Staaten Dänemark, Finnland, Schweden und die Niederlande sind, wie schon in den drei Jahren zuvor, die fortschrittlichsten Länder. Die Bundesrepublik war 2019 noch an 12. Stelle. 
  • Beim Network Readiness Index 2021 des Weltwirtschaftsforums nahm Deutschland international den 8. Platz ein. Im Jahr 2019 lag es noch auf dem 9. Platz.  

Gibt der direkte Vergleich völlig diverser Staaten und Wirtschaftssysteme wirklichen Aufschluss über die individuellen Stärken und Schwächen einzelner Länder? Nur bedingt. Wir alle wissen aber seit Kindheitstagen, dass ein gesunder Wettbewerb viel über einen selbst lehren kann. 

Für Deutschland wäre das in diesem Fall die Botschaft, dass wir definitiv nicht zu den 

Vorreitern der Digitalisierung gehören. Aber – und das ist fast wichtiger – wir sind auch nicht das Schlusslicht. 

Wo liegen die aktuellen Hürden für KMUs bei der digitalen Transformation? 

Auch wenn die Corona-Krise der Entwicklung ordentlich Schub verliehen hat, richtig Fahrt nimmt der digitale Wandel in Deutschland nicht auf. 

Vielmehr lässt sich im Bereich der Wirtschaft ein Fortschritt nach dem Prinzip „Drei Schritte vor, zwei zurück” beobachten. Grund hierfür sind strukturelle und ideelle Hürden, die vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen eine Herausforderung darstellen. 

Diese Hindernisse müssen KMUs bei der Digitalisierung überwinden

  • Fehlendes Kapital für das “digitale Neuland”.

Der Aufbau von individuellen und nachhaltig ausgelegten Geschäfts- und Operatingmodellen bringt hohe Kosten mit sich. Viele Organisationen zögern deshalb bei ihren Investitionen in digitale Ökosysteme. Fehlende Erfahrungswerte, unzureichende Mittel und die Angst vor Verlusten führen so häufig dazu, dass am falschen Ende gespart oder gar nicht digitalisiert wird. 

  • Unzureichende Unterstützung vom Staat. 

Es existieren mittlerweile zwar zahlreiche staatliche Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene, um den Zugang zu digitalen Produkten, technischen Systemen, geeigneter Software sowie erfahrenen Beratern und Mitarbeitern leichter zu gestalten. Jedoch gab es hier beispielsweise beim Programm “Digital Jetzt” einige Pannen, die unter teilnehmenden KMUs für Unmut sorgten. Das reichte vom Absturz der Registrierungsplattform durch die große Nachfrage bis hin zur Verteilung der Fördergelder nach Losverfahren. Bei der Höhe, der Schnelligkeit und der Flexibilität der staatlichen Unterstützung von Digitalisierungsbemühungen ist also noch viel Potenzial. 

  • Eine Mentalität, die nicht wagt. 

Eine Digitalisierung von Prozessen und Strukturen kann nur limitiert funktionieren, wenn ein entsprechendes digitales Mindset fehlt. Viele kleine und mittelständische Unternehmen unterliegen dem Irrglauben, der digitale Wandel bedeute lediglich ein paar neuer Abläufe und Software-Käufe. Tatsächlich handelt es sich aber um eine Transformation, die auf allen Ebenen stattfinden muss, um langfristig erfolgreich zu sein. Ideal hierfür wäre, alle Prozesse, Produkte und Kompetenzen neu auszurichten und ein dynamisches Ökosystem zu schaffen. In der Realität fehlt hierfür jedoch oftmals noch die Bereitschaft. 

  • Rahmenbedingungen, die bremsen, statt anzutreiben.

Wer in ländlichen Gebieten vergeblich Mobilempfang gesucht hat oder sich bei Video-Meetings öfters über eingefrorene Bildschirme ärgert, der weiß um die Defizite hiesiger Infrastrukturen. Der Ausbau des Glasfasernetzwerkes lässt weiter zu Wünschen übrig, während die Breitbandverbindung in anderen europäischen Ländern längst Standard ist. 

Ein erfolgreicher digitaler Wandel entscheidet über die Zukunftsfähigkeit von KMUs

Dass eine erfolgreiche Digitalisierung essentiell für die Zukunft kleiner und mittlerer Unternehmen ist, steht längst außer Frage. Wer nicht auf dynamische, ganzheitliche und innovative Prozesse und Lösungen setzt, riskiert längst nicht mehr nur erhebliche Verluste. 

Die Digitalisierung ist ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit von Organisationen. 

Der aktuelle Stand in Deutschland hinterlässt somit einen bittersüßen Nachgeschmack. Zwar konnten die anfänglichen Startschwierigkeiten aufgeholt werden, sodass die Bundesrepublik in vielen Aspekten im internationalen Vergleich das Feld der ewigen Nachzügler verlassen hat. 

Dennoch bestehen nach wie vor viele Herausforderungen und ungenutzten Potenziale, die vor allem von KMUs mehr Einsatz erfordern. Im zweiten Teil unserer Reihe befragen wir Dr. Christian Schröder, Forschungskoordinator am Institut für Mittelstandsforschung in Bonn, was diese Entwicklung für KMUs bedeutet und welche Strategien sich für eine nachhaltige Digitalisierung eignen.

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